Intralymphatische Immuntherapie

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15.11.2017






Aktuelle Informationen zum Themenkomplex 
intralymphatische spezifische Immuntherapie (ILIT) und  Hyposensibilisierung

 

 

Intralymphatische spezifische Immuntherapie (ILIT)

Katzenhaarallergie: Heilung nach nur drei Spritzen direkt ins Lymphsystem?


Die Therapie der weit verbreiteten allergischen Überempfindlichkeit gegen die im Speichel von Katzen enthaltenen Allergene ist zeitaufwändig und der Behandlungserfolg ist unsicher. Bei der bisher üblichen subkutan anzuwendenden spezifischen Immuntherapie (SCIT) müssen im Lauf von 3 bis 5 Jahren bis zu 80 Injektionen gegeben werden. Immer besteht dabei die Gefahr schwerer Nebenwirkungen, gelegentlich kommt es sogar zu lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schockzuständen. 
Ob durch die aufwändige und nicht ganz ungefährliche Behandlung die Allergie tatsächlich geheilt werden kann, ist während der gesamten Dauer der Allergietherapie nicht absehbar.

Jetzt hat ein Wissenschaftlerteam an der renommierten Universität Zürich eine neue Therapiemethode vorgestellt, mit deren Hilfe die mit der SCIT zwangsläufig verbundenen Probleme  in Zukunft möglicherweise gelöst werden können.
In der im Fachblatt Allergy and Clinical Immunologie veröffentlichten Studie konnten die Schweizer Forscher nachweisen, dass es mit nur drei Injektionen des Hauptallergens
Fel d 1  direkt in einen Lymphknoten (ILIT) innerhalb von 2 Monaten möglich ist, die  Toleranz der gereizten Nasenschleimhaut gegen das Katzen-Allergen um das 74fache zu steigern.
In der Kontrollgruppe lag die Steigerung der Allergentoleranz der Nasenschleimhaut bei Gabe eines Scheinmedikaments (Plazebo) bei weniger als dem Dreifachen.
Durch die dreimalige Injektion der Allergenlösung direkt in das Lymphsystem kam es während der Studiendauer zu keinen Nebenwirkungen.

Diese erste  im Zusammenhang mit der ILIT direkt an allergiekranken Menschen durchgeführte klinische Studie erwies sich somit als sehr erfolgreich. Sie könnte daher aufgrund ihrer Vorzüge die herkömmlichen Therapievarianten (subkutane und orale/sublinguale spezifische Immuntherapie) völlig  verdrängen. 
Der subkutanen Immuntherapie SCIT ist die ILIT aufgrund ihrer offenbar sehr guten Verträglichkeit überlegen. Und die orale/sublinguale Form der Immuntherapie SLIT könnte möglicherweise aufgegeben werden, da die Injektion direkt in das Lymphsystem sehr viel stärker und schneller wirkt als die schwach wirkende Allergen-Zufuhr über die Mundschleimhaut.


Quelle:
2012 May;129(5):1290-6. doi: 10.1016/j.jaci.2012.02.026. Epub 2012 Mar 30.

 

Mehr Informationen:

Durch die intralymphatische Injektion (ILIT) von Katzenhaar- und Insektengift-Allergenen konnte bei Mäusen nachgewiesen werden, dass diese innovative Form der spezifischen Immuntherapie mit Blick auf die erwünschten Reaktionen des Immunsystems  der üblichen subkutanen, bzw. oralen Immuntherapie deutlich überlegen ist. 
Durch die direkte Injektion der Allergene in einen Lymphknoten konnte bei den Mäusen die Produktion von IgG2a Antikörpern um das Zehnfache gesteigert werden - und dies bei Verwendung von nur 1% des Allergens.
Die Therapie könnte daher - wenn sich die Ergebnisse bei Menschen reproduzieren lassen - tausendmal so wirksam sein wie die herkömmliche Immuntherapie. Dadurch ließe sich die Zahl der für die Immuntherapie erforderlichen Injektionen deutlich senken und auch die Menge der verwendeten Allergene.  Dies würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Häufigkeit von Therapie-Nebenwirkungen drastisch vermindern.

Quelle: Unit for Experimental Immunotherapy, Department of Dermatology, University Hospital of Zurich, Zurich CH-8091, Switzerland.

2009;150(1):59-65. doi: 10.1159/000210381. Epub 2009 Apr 2.

Allergietherapie,allergische Erkrankungen,Heuschnupfen

Mittelteil Allergie Allgemeintext

Allgemeine Informationen zu den Themenkomplexen Allergie und  Allergietherapie.

Schwerpunkt der Behandlung von Allergien ist derzeit die sublinguale Immuntherapie (SLIT)  mit Hilfe von Tabletten, die standardisierte Allergene  jener Gräserpollen enthalten, die in der Natur weit verbreitet und daher Ursachen einer Pollenallergie sind.

Seit Jahrzehnten werden Allergien – besonders häufig sind Gräser- und Baumpollen-Allergien– mit Hilfe der subkutan (unter die Haut) anzuwendenden spezifischen Immuntherapie (SIT, bzw. SCIT) behandelt.
Allergologen haben herausgefunden, dass etwa 80% aller Allergien durch in die Atemwege eingedrungene Gräser- und Baumpollen verursacht werden, die zur Entzündung der empfindlichen Schleimhäute führen.

Eine gute Wirkung der spezifischen Immuntherapie wurde nicht nur bei Pollenallergien beobachtet, sondern auch bei  Hundehaar- und Katzenhaarallergien. Im Fall der ebenfalls weit verbreiteten Insektengift-Allergie (meist Wespen- und Bienengiftallergien) erwies sich die spezifische subkutane Immuntherapie in der Vergangenheit oft als lebensrettend. 

Bei Risikopatienten haben sich stationär durchzuführende Schnell-Hyposensibilisierungen bewährt,  durch die das Risiko lebensbedrohlicher Schockzustände (Anaphylaxie) innerhalb kurzer Zeit minimiert werden kann. 
Doch bei der e
benfalls weit verbreiteten Hausstaubmilbenallergie versagen bis heute alle physikalischen und chemischen  Schutzmaßnahmen.
   Ohne eine spezifische Immuntherapie (SIT) geht bei der Allergie gegen die für die Allergie verantwortlichen Bestandteile des Hausstaubs (in erster Linie Kot der Hausstaubmilbe) also überhaupt nichts.

Eine spezifische Immuntherapie  SIT ist bei starken allergischen Beschwerden meist der einzige praktikable Behandlungsweg. Die oft empfohlene symptomatische Behandlung,  z.B. mit Antihistaminika,  ist nur bei leichten Verlaufsformen einer Allergie ausreichend wirksam. Außerdem haben viele dieser Arzneimittel störende Nebenwirkungen. Die Erfolge einer spezifischen Immuntherapie wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit Hilfe zahlreicher wissenschaftlicher Studien eindeutig bwiesen.

Auch die um Distanz zur Pharmaindustrie bemühte WHO (Weltgesundheitsorganisation)  beurteilt die spezifische Immuntherapie positiv, da sie als einzige verfügbare Behandlungsmöglichkeit direkt an den immunologischen Ursachen einer Allergie ansetzt und den weiteren natürlichen Verlauf der Krankheit positiv beeinflusst - also beispielsweise die Entwicklung eines allergischen Asthmas verhindert. 

Doch die übliche subkutan anzuwendende spezifische Immuntherapie (SCIT) hat leider auch einige gravierende Nachteile (u.a. großer Zeitaufwand von 3-5 Jahren), zu geringe Zahl ärztlicher Allergie-Experten  und schließlich das Risiko bedrohlicher Therapie-Zwischenfälle (Anaphylaktischer Schock). Aus diesen Gründen kommt nur ein kleiner Teil der für die Therapie in Frage kommenden  Allergiker (geschätzte 10%) tatsächlich in den Genuss dieser grundsätzlich sinnvollen und meist wirksamen Therapie.

Die Mehrzahl der Allergiker – darunter viele Patienten, die sich einfach nur vor den Allergie-Spritzen fürchten, oder die den erforderlichen Zeitaufwand scheuen – wurden bisher nur symptomatisch behandelt (beispielsweise mit den oft müde machenden Antihistaminika) und riskierten so, dass es im  weiteren Verlauf der Erkrankung  im Zuge eines sog. „Etagenwechsels“aus dem eher lästigen Heuschnupfen  ein bedrohliches allergisches Asthma entwickelt.  Nach Expertenmeinung droht dies in bis zu 30% der Fälle.

Insbesondere für die bisher nicht ausreichend therapierten Patienten  wurde die sog. "Grastablette" entwickelt, die die Allergene der wichtigsten pollenproduzierenden Gräser als genormte Extrakte enthält. Da diese Medikamente geschluckt werden  - also oral angewendet werden (sublinguale spezifische Immuntherapie= SLIT) - kann die Therapie nach der  Einstellung bei dem jeweils behandelnden Arzt von den Patienten in eigener Regie zu Hause durchgeführt werden.  
Eine sublinguale spezifische Immuntherapie (
SLIT) hat sich in ersten Studien als wirksam, gut verträglich und sicher erwiesen. Dies gilt für sowohl für die Anwendung bei Erwachsenen und Heranwachsenden,  als auch bei Kindern.   Doch die erhoffte Zeitersparnis stellt sich nicht ein.  Studien haben gezeigt, dass auch eine SLIT über 5 Jahre durchgeführt werden sollte.

Diese "Allergie-Tabletten" werden mittlerweile von mehreren Pharmaunternehmen angeboten,  bzw. entwickelt.
Besonders kleine Kinder und ängstliche erwachsene Patienten ziehen  diese Tabletten den bisher üblichen  „
Allergie-Spritzen“ vor. Experten rechnen damit, dass es schon bald auch für andere Allergien oral anzuwendende Medikamente geben wird.

Diese innovativen Medikamente werden dann die von vielen Allergikern als sehr lästig empfundenen Allergie-Spritzen
- zumindest teilweise - ersetzen.   Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse zur Wirkung der spezifischen Immuntherapie  stammen in erster Linie aus wissenschaftlichen Studien, die von forschenden Pharmaunternehmen, also den Produzenten der Medikamente, durchgeführt wurden.

Diese forschenden Firmen haben sich auf die Behandlung von Allergien spezialisiert und konnten so im Lauf von Jahrzenten ein hohes Maß an Fachkompetenz ansammeln. Da bisher keine wissenschaftlichen Studien vorliegen, die die Wirkung unterschiedlicher oral anzuwendender Produkte miteinander vergleichen, kann die Frage der "optimalen" Allergietherapie derzeit nicht aufgrund wissenschaftlicher Beweise beantwortet werden. Es ist aber aufgrund allgemeiner Lebenserfahrunge sehr wahrscheinlich, dass alle Medikamente, die Allergene in ausreichender und genormter Menge enthalten, für eine effiziente orale  Allergiebehandlung geeignet sind.

Der Erfolg steht und fällt natürlich mit der Qualität der Allergen-Extrakte.  Der Patient selbst und auch sein behandelnder Arzt hat keine praktikable Möglichkeit, diese Qualität zu überprüfen. Sie sind darauf angewiesen, den spezialisierten Pharmaunternehmen zu vertrauen - also quasi die Katze im Sack zu kaufen. Die Wirkung der Therapie zeigt sich nämlich frühestens einige Jahre nach Therapiebeginn.

Dr. med. Jochen Kubitschek

 
   

 









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Alternativmedizin:

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